Feste Zahnspange
Was ist eine feste Zahnspange?
Eine feste Zahnspange, auch als Multibracketapparatur, Brackets-Zahnspange oder festsitzende Zahnspange bekannt, ist eine kieferorthopädische Apparatur bzw. Behandlungsmethode zur Korrektur von Zahnfehlstellungen und Kieferfehlstellungen. Sie gilt als Klassiker und Standardlösung in der modernen Kieferorthopädie und wird bei etwa 66 Prozent der behandelten Kinder in Deutschland eingesetzt.
Im Gegensatz zu herausnehmbaren Zahnspangen können mit einer festsitzenden Zahnspange präzise und komplexe Zahnbewegungen durchgeführt werden, die mit losen Spangen nicht möglich sind.
Aufbau und Funktionsweise der festen Zahnspange
Eine feste Zahnspange besteht aus mehreren Komponenten, die zusammenwirken:
-
Brackets (Halterungen, Befestigungselemente)
Brackets sind kleine Befestigungsteile, die mit einem speziellen Kunststoffkleber direkt auf die Zahnoberflächen geklebt werden. Sie dienen als Haltevorrichtung für die Drahtbögen und als Führungselemente der Apparatur.
Materialien
- Metallbrackets (Edelstahl oder nickelfreier Stahl): robust, langlebig, klassische Variante
- Keramikbrackets (zahnfarbene Brackets): ästhetischer, da farblich an die Zahnfarbe angepasst
- Kunststoffbrackets: seltener, weniger robust
Moderne Brackets sind häufig selbstligierende Brackets mit integriertem Verschlussmechanismus.
Sie kommen ohne Ligaturen (Drähte oder Gummiringe) aus. -
Drahtbögen (Bögen, Drähte)
Die Drahtbögen werden durch die Brackets geführt und sind das zentrale Element für die Zahnbewegung.
Sie bestehen typischerweise aus Titanlegierungen oder superelastischen Materialien, die schonende Kräfte ermöglichen.Während der Behandlung werden die Bögen mehrfach gewechselt: Beginn mit sehr dünnen Bögen für geringe Kräfte, anschließend schrittweise stärkere und dickere Bögen bis zur Zielstellung.
-
Ligaturen (Befestigungselemente)
Ligaturen sind kleine Verbindungselemente aus feinem Draht oder Gummiringe (Alastics), die den Drahtbogen an den Brackets befestigen. Bei selbstligierenden Brackets entfallen diese.
-
Metallbänder
An den Backenzähnen (häufig an den ersten großen Molaren) werden oft Metallbänder befestigt, an denen zusätzliche Komponenten wie Zusatzgeräte, Federn oder Gummis angebracht werden können.
Arten und Techniken der festen Zahnspange
-
Vestibulär angebrachte Brackets (außenliegende Zahnspange)
Standardvariante: Brackets werden auf die Außenseite (vestibuläre Fläche) der Zähne geklebt und sind sichtbar.
-
Linguale Brackets / Lingualtechnik (innenliegende Zahnspange)
Bei der Lingualtechnik werden die Brackets auf der Innenseite (Zungenseite, linguale Fläche) angebracht und sind dadurch für andere unsichtbar.
Merkmale
- Individuell maßgefertigte Brackets für jeden Patienten
- Herstellung mittels Computermodellierung und 3D-Technologie
- Beispiele moderner Systeme: INCOGNITO (z.B. aus Gold), WIN-System (selbstligierend)
- Hochwertig und entsprechend kostspielig
- Eingewöhnungsphase nötig (Zunge stößt an die Apparatur)
Vorteile
- Ästhetisch sehr unauffällig
- Entkalkungen seltener, da die Zahninnenseite widerstandsfähiger ist
- Speichelfluss im Mundinnenraum unterstützt die Selbstreinigung
Nachteile
- Hohe Kosten
- Zu Beginn mögliche Sprach- oder Schluckbeschwerden
-
Multiband-Apparatur
Umfassende festsitzende Zahnspange mit Brackets, Drahtbögen, Metallbändern und ggf. zusätzlichen Komponenten wie Federn oder Gummis.
-
3D-Wilson-Apparatur, Distaljet, Distalslider
Spezielle Distalisationsgeräte, die Zähne nach hinten bewegen und besonders zur Korrektur von Deckbiss/Überbiss eingesetzt werden.
-
Selbstligierende Bracketsysteme
Selbstligierende Brackets verfügen über einen Verschlussmechanismus: Der Drahtbogen wird direkt eingeklickt, ohne Ligaturen.
Vorteile
- Reibungsarm und dadurch oft schonender
- Kleinere Größe, weniger auffällig
- Bessere Mundhygiene durch glattere Oberfläche
- Potentiell kürzere Behandlungszeit (bis zu 30% schneller)
- Geringere Kraft auf Zahnwurzeln und Kieferknochen
Behandlungsverlauf und -phasen
Die Behandlung mit einer festen Zahnspange verläuft typischerweise in mehreren Phasen:
- Nivellierungsphase: Ausrichten und „Einebnen“ der Zahnreihe
- Kontraktionsphase (Schließungsphase): Schließen von Lücken bzw. Bewegung in vorhandene Lücken
- Justierungsphase (Finishing/Detaillierung): Feineinstellung der Verzahnung und Optimierung der Zahnstellung
Behandlungsdauer
- Kleinere Zahnfehlstellungen: ca. 6 Monate
- Standard-Behandlung: durchschnittlich 2–3 Jahre
- Komplexe Fälle mit kieferorthopädisch-chirurgischen Maßnahmen: bis zu 4 Jahre
Wofür wird eine feste Zahnspange eingesetzt?
Eine feste Zahnspange wird zur Korrektur verschiedenster Zahn- und Kieferfehlstellungen verwendet:
- Engstehende Zähne (Zahnenge)
- Gedrehte Zähne (Zahnrotation)
- Zahnlücken (Diastemen)
- Overbite (Überbiss/Deckbiss), Underbite oder Crossbite
- Gekippte oder verlagerte Zähne
- Zu weit herausgewachsene (eruptierte) Zähne
- Zu kurze Zähne: Förderung des Auswachsens durch Extrusion
- Fehlende Zähne (Hypodontie/Zahnverlust): Vorbereitung auf Implantate oder Zahnersatz
Behandlungsziele
- Korrektur von Zahnstellung und Kieferstellung
- Optimierung der Gebissfunktion (Okklusion/Zusammenbiss)
- Prävention von Zahnschäden
- Verbesserung der Ästhetik (Lächeln)
- Gewährleistung einer präzisen Verzahnung
Wann ist eine feste Zahnspange notwendig?
Meist wird die feste Zahnspange nach dem Durchbruch aller bleibenden Zähne eingesetzt, typischerweise ab dem 12. bis 13. Lebensjahr. Bei Kindern und Jugendlichen ist sie häufig das Mittel der Wahl.
- Auch Erwachsene können behandelt werden, wenn komplexere Fehlstellungen vorliegen oder Aligner nicht ausreichen
- Eine Behandlung mit einer losen Zahnspange kann der festen Behandlung vorausgehen
Pflegeanforderungen und Mundhygiene
Eine gewissenhafte Mundhygiene ist während der Behandlung mit einer festen Zahnspange besonders wichtig:
- Gründliches Zähneputzen nach jeder Mahlzeit
- Verwendung von Interdentalbürsten (Zahnzwischenraumbürstchen)
- Zahnseide bzw. spezielle Superflosser regelmäßig nutzen
- Regelmäßige professionelle Zahnreinigung (PZR)
Ohne sorgfältige Pflege drohen Verfärbungen, Zahnfleischentzündungen und Karies.
Zusammenfassung
Die feste Zahnspange (Multibracketapparatur) ist eine festsitzende kieferorthopädische Vorrichtung zur Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen. Sie besteht aus aufgeklebten Brackets und Drahtbögen, die die Zähne kontrolliert bewegen. Moderne selbstligierende Systeme können die Behandlung schonender und effizienter machen. Neben vestibulären (sichtbaren) Systemen gibt es auch innenliegende Lingualspangen, die nahezu unsichtbar sind. Die Therapie erfolgt in mehreren Phasen und wird meist bei Jugendlichen nach dem Zahnwechsel eingesetzt, ist aber auch bei Erwachsenen möglich. Eine sehr gute Mundhygiene ist entscheidend, um Karies und Entzündungen zu vermeiden.
